museumsart Kolumne

Helmut Hille
Philosophische Sentenzen 2018

Goethes Gärten in Weimar (I)

15.05.2018

"Goethes Gärten in Weimar" (Edition Leipzig) heißt ein von der Klassik Stiftung Weimar herausgegebenes Büchlein von Dorothea Ahrendt und Gertraud Aepfler, den Gartenarchitektinnen der Stiftung, das mich sehr interessierte, weshalb ich es kaufte. Mich hat immer schon beschäftigt, was mit Goethe zusammenhängt. So habe ich natürlich auch die wichtigsten Stationen seines Lebens besucht, sei es sein Geburtshaus in Frankfurt am Main, sei es sein Haus am Frauenplan in Weimar und natürlich auch sein Gartenhaus und das zweimal. In die Goethesammlungen neben dem Wohnhaus bin ich leider nicht gekommen, da es während meines Besuches des Hauses am Frauenplan wegen Umbau geschlossen war. Besucht habe ich später bei der 2. ausführlichen Besichtigung von Goethes Gartenhaus auch die Fürstengruft, wo er neben Schiller und dem Großherzog seine letzte Ruhe gefunden hat.

Goethes Gartenhaus im Ilmtal habe ich zuletzt am 06.10.94 um 14.15 Uhr besucht, wie die Quittung der Rechnung zu Gartenhaus und Stadtplan (DM 5,-)  ausweist. Den Garten fand ich nicht auffällig, noch dazu war Mitte Oktober und der Winter nah. Was sein Werk betrifft, hat Goethe sich mehr als Wissenschaftler denn als Dichter gesehen, weil die Dichtung ihm nur so zuflog. So war er ebenfalls Geologe und Botaniker und versuchte auch noch mit seiner Farbenlehre Newton aufwändig zu widerlegen. Zudem befasste er sich mit Anatomie und fand in Jena als Bindeglied zwischen Tier und Mensch den Zwischenkieferknochen. Man kann sagen, dass er auf seine Weise ein Vorläufer von Darwins Entwicklungslehre war, was man auch an seiner Suche nach der Urpflanze ersieht, deren Suche er in seiner Italienischen Reise (1786 und 1787-1789) mehrmals erwähnt. Seine botanischen Studien, auch im eigenen Garten am Stadthaus, hat er dann 1790 in seinem naturwissenschaftlichen Werk "Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklären" niedergelegt, die er 1798 mit einer Elegie krönte. Auch mit einer "Metamorphose der Tiere" hat er sich versucht. Wegen des einseitigen Darwinkultes wird diese Seite Goethes m.E. viel zu wenig gewürdigt.

Seine botanischen Kenntnisse und Initiativen sind da bekannter: In Jena zeigte man mir einige Ginkgobäume, die er pflanzen ließ. Sein berühmtes Gedicht "Gingo Biloba" beginnt mit dem Herkunftshinweis: "Dieses Baumes Blatt, der von Osten meinem Garten anvertraut,…" Der aus Fernost (Japan, China) stammende Ginkgo ist eine Art Urbaum, zwischen Nadel- und Laubbaum stehend mit kräftigen zweigeteilten Blättern. Goethe dazu: "Ist es ein lebendig Wesen, das sich in sich selbst getrennt?" Hier in Heilbronn pflanzt das Grünflächenamt gern Ginkgobäume, da sie in ihrer einfachen Aststruktur nicht so ausladend wie Laubbäume werden und sich so besser in enge Stadträume einfügen können.

Goethes Gartenhaus hatte für ihn eine besondere Bedeutung, denn erst durch dessen Kauf  im April 1776 wurde er schon nach weniger als 6 Monaten Aufenthalt in Weimar dessen Bürger. Der 18-jährige Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach Carl August hatte den Kauf forciert und aus seiner Schatulle bezahlt, um den 26-jährigen Goethe dauerhaft an Weimar zu binden. Goethe wohnte dort 6 Jahre, bevor er das Haus am Frauenplan bezog, "doch blieb der nunmehrige "untere Garten" für Goethe ein stiller Zufluchtsort, wohin er sich, um ungestört nachdenken und arbeiten zu können, zurückzog, wo aber auch frohes Familienleben und heitere Geselligkeit Platz fanden." Es bleibt aber auch zu erwähnen, dass das Grundstücke nicht allzu weit von dem der Frau von Stein entfernt liegt, die ihn für die Weimarer Gesellschaft erst salonfähig machte und der Goethe brav einen Schlüssel zu seinem Grundstück sandte, das nur über einen versperrten Steg über die Ilm erreicht werden konnte. Neben der Schatulle des Großherzogs war sie wohl sein wichtigster Grund, sich in Weimar niederzulassen.

Die Renovierung des heruntergekommenen Hauses und des verwilderten Gartens erforderten viel Einsatz Goethes, während der Großherzog für die Kosten aufkam. Vor dem Haus gab es Rabatten für Gemüse, die der Versorgung dienten. Sogar Spargel war angepflanzt und Frau von Stein erhielt auch schon mal artig ein Bündel als Gruß, aber auch "Büschelgen" von Veilchen, Aurikel, Rosen, Erdbeeren und Pfirsiche. Am Hang hinter dem Haus lies Goethe Laub- und Nadelbäume pflanzen und legte auch mal selbst die Hand an, um mit Baumwachs "die Räuber abzudrücken". Auch ließ er zur Abschirmung des Grundstücks eine Hecke pflanzen und legte "hinter dem Gartenhäuschen … einen parkartigen, dicht mit Gehölzen bewachsenen Gartenteil an, der sich deutlich vom Nutzgarten und dem sonnigen Obsthang abhob." Und dann war da auch noch das Lieblingsbänkchen der Frau von Stein zu finden, auf das eine Gedenktafel mit einem Vers Goethes hinweist. Es muss wohl eine große Liebe gewesen sein.

"Hier dachte still ein Liebender seiner Geliebten: Heiter sprach er zu mir: Werde mir Zeuge, du Stein! Doch erhebe dich nicht! Du hast noch viele Gesellen:
Jeden Felsen der Flur, die mich den Glücklichen nährt, Jeden Baum des Waldes, um den ich wandeln mich schlinge …"

Fortsetzung folgt

Zur Erinnerung:
die Philosophische Sentenz vom September 2013
Goethe als Erkenntniskritiker

ferner vom Januar 2018:
Goethe in Heilbronn

https://www.museumsart.de/kolumne?columns_id=235


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