Pressestimmen

Kunststücke dürfen nicht nach altem Muff aussehen

09.06.2000   |   WESER-KURIER

Ingrid Blanken verkauft Museums-Waren aus der ganzen Welt / Versandhandel statt Laden / Internet große Hilfe

Von unserem Redaktionsmitglied Katy Hillmann

Bremen. Ingrid Blankens Herz schlägt für historische und dabei zeitlos schöne Gegenstände. Quer über den Globus sucht die Bremerin in Museumsgeschäften nach Kleinoden. Sie müssen in jedes Wohnzimmer passen, ohne "nach altem Muff" auszusehen. Darauf legt sie Wert. Gefällt ihr ein Stück, tritt sie in Verhandlung mit dem Museum und dem Hersteller. Was sie schließlich einkauft, bringt sie über Versand und Internet an ihre Kunden. Im vergangenen Jahr hat sich Ingrid Blanken mit ihrem Unternehmen "Museums:art"selbstständig gemacht. Ein Sprung, für den sie langen Anlauf nahm. Bereits mit zwölf Jahren verschlang die inzwischen über 40-jährige Bücher über Götter, Gräber und Gelehrte. Archäologin wollte sie werden und die Schätze früherer Kulturen heben. Aber ihre Eltern hielten das für brotlose Kunst. Ingrid Blanken machte eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin und studierte Sozialwissenschaften auf Diplom. Sie arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrbeauftragte an den Universitäten Bremen und Oldenburg. "Aber das waren immer nur befristete Verträge." Vor etwa drei Jahren begann sie sich zu überlegen, womit sie in den kommenden 20 Jahren ihr Geld verdienen könnte. Fasziniert von Kunstgegenständen war sie nach wie vor. Auf ihren vielen Reisen nach New York, Boston, Barcelona, Paris oder London führte sie der erste Weg stets in die Museen – und seit Anfang der 80er Jahre zusätzlich in die angegliederten Museums-Geschäfte: "Ich war überrascht, was es in den USA und dem europäischen Ausland für wunderschöne Sachen zu kaufen gab." Modernen Schmuck nach etruskischem oder sumerischem Vorbild, zauberhafte Miniaturen, Statuen und Büsten – den Originalen zum Verwechseln ähnlich. In Deutschland sei der Handel mit Museumsshop-Waren damals noch völlig unterentwickelt gewesen. "Somit bot sich mir viel zu selten die Gelegenheit, diese herrlichen Dinge zu kaufen." Als ihr dann auch noch in einem deutschen Museumsgeschäft zu einer Brosche nicht einmal ein Zertifikat aushändigt werden konnte, war für sie die Zeit reif, die Museumsshop-Kultur in Deutschland etwas zu beleben.

%%umbruch%%Vor zwei Jahren wurden die Planungen konkret. Ingrid Blanken besuchte zahlreiche Existenzgründerseminare, unter anderem bei der Handelskammer, und belegte Internet-Kurse an der Volkshochschule. Auf Museumsmessen in Paris und Frankfurt knüpfte sie wichtige Kontakte zu Direktoren international renommierter Museen. Heute befinden sich im Angebot Ingrid Blankens Gegenstände aus aller Welt. "Ursprünglich wollte ich einen Laden eröffnen, um Kontakt zu den Kunden zu haben." Dann wurde ihr jedoch klar, dass ihr die Mieten schlaflose Nächte bereiten würden. "Unter 10 000 Mark monatlich sei in zentraler Lage wenig zu machen, und wo sonst sollte ich Museumsware verkaufen." Somit entschied sie sich für die kostengünstigere Variante des Versandhandels. Büro und Lager befinden sich in ihrem eigenen Haus. Die Kosten fürs Drucken und Verschicken der Prospekte, das Liefern von Ware und die Betreuung der Museums:art-Internet-Seite liegen nach Angaben Ingrid Blankens monatlich weit unter einer Miete. Dafür sei es schwieriger, die Menschen auf die Existenz von Museums:art aufmerksam zu machen. Zahlreiche Prospekte ließ sie gleich nach der Gründung einer bekannten Frauenzeitschrift beilegen. Die Resonanz sei ernüchternd gering gewesen. Deshalb ist das Internet eine große Hilfe. Nicht nur, weil sie mittels Paßwort über e-commerce problemlos bei ihren Lieferanten bestellen kann. Immer mehr Interessenten melden sich bei ihr über die e-mail ihrer Homepage www.museumsart.de. Die Seite läßt sich über alle bekannten Suchmaschinen finden – und das Interesse an den historischen Stücken ist im modernen Netz erfreulich groß. • Informationen unter Telefon 04 21/ 4 30 99 66 oder Fax 4 30 99 65.

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